Inside Incarnation – German Translation

Im Innern des Incarnation Centers NY

Von Liam Scheff
Translated by Dean Braus

New York Presse
27. Juli 2005

Während die Debatte über die AIDS-Medikamente Versuche am Columbia’s Incarnation Kinderzentrum lauter werden, enthüllt eine ehemalige Mitarbeiterin, was sie gesehen hat.

Mimi Pascual gab den Kindern jeden Tag und jede Nacht Medikamente, nach Plan, wie von den Ärzten verordnet. Sie schüttelte die Kinder wach und steckte ihnen die Pillen in den Mund oder spritzte ihnen eine Injektion von zermalmten Pillen und Wasser in den Rachen.

Sie und die anderen Kinderpflegerinnen machten die Runde: Mitternachts, drei Uhr morgens, fünf Uhr morgens. Manche Kinder nahmen die Pillen in den Mund, andere über Nasenschläuche, und andere über Schläuche, die aus ihren Bäuchen herausragten. Die Kinder mochten die Pillen nicht. Sie wachten jeweils auf und übergaben sich und hatten schlimmen Durchfall. Aber Mimi und die anderen Mitarbeiterinnen am  Incarnation Children’s Center mussten die Anordnungen befolgen, andernfalls wären sie gefeuert worden. “Die Medikamente hatten Nebenwirkungen, alle wussten das,” sagte Mimi.

Aber den Mitarbeitern wurde gesagt, die Medikamente würden helfen, das Leben der Kinder zu retten.

Nachdem ein junges Mädchen, welches gerade mit der Therapie begonnen hatte, einen Schlaganfall hatte und kurz darauf verstarb, und ein anderer Junge, dem gerade Thalidomid verabreicht wurde dahinsiechte, während er an ein Beatmungsgerät angeschlossen war, hörte Mimi auf, daran zu glauben, dass die Medikamente Leben retten würden . Sie glaubte überdies, sie würden die Kinder auch töten.

Mimi Pascual arbeitete acht Jahre lang am Incarnation Children’s Center über einen Zeitraum von zehn Jahren, wo sie sich um Im-Stich-Gelassene HIV-Positive Kinder von drogensüchtigen Müttern in der Washington Heights Nachbarschaft kümmerte. Sie begann 1995  am ICC, als sie gerade 17 Jahre alt war. Mimi war eine von zwei Dutzend Nachbarschaftsfrauen aus Washington Heights, Harlem und Inwood Heights, die von den Katholischen Nonnen angeheuert wurden, welche das Waisenhaus für die  Im-Stich-Gelassenen Säuglinge betrieben.

So wie Mimi, war die grosse Mehrheit aus der Dominikanischen Republik und hatte keinen medizinischen Hintergrund. Ein paar von ihnen sprachen nur geringfügig Englisch. Aber sie waren alle selber Mütter, Tanten, grosse Schwestern und Grossmütter, gewöhnt daran, grosse Familien mit einem Schuhbändel über die Runden zu bringen, das Leben zusammenzuhalten unter grösstem Stress, und, wie Mimi mir erzählt, daran gewöhnt “den Arsch zu putzen”, eine Fertigkeit die nützlich war am ICC.

Angestellt als eine Kinderpflegerin, fand sie sich bald in der Rolle als Ersatzmutter für die Kinder, sie wechselte ihnen die Wäsche, sie gaben ihnen Essen, sie hielt sie und drückte sie, und sie gab ihnen die Drogen.

“Am Anfang waren sie kleine Säuglinge”, erzählte mir Mimi. ” Wir wechselten ihre Windeln und säuberten sie, und wir spielten mit ihnen. Uns wurde gesagt sie wären ´speziell‘ – wegen des HIV. Da war viel ´Scheisse‘ und viel Erbrochenes. ”

“Sie brauchten sehr viel Liebe,” sagte Mimi, “und das war es, was wir ihnen gaben.”

Mimi kann Dutzende der Kinder in liebevollen Details schildern – die Schreihälse, die Süssen, die hyperaktiven Kinder, die Kasperle und die Ruhigen. “Wir waren wie ihre Mütter. Einige der Pflegerinnen adoptierten sogar Kinder von ICC,” sagte sie. “Ich wollte auch, aber zu der Zeit lebte ich noch zu Hause, und meine Mutter und mein Vater wollten sich nicht um noch ein weiteres Kleinkind kümmern.”

Neben Essensverteilung, Wechseln der Kleider und Baden waren die Pflegerinnen auch verantwortlich für die Verabreichung der Pharmaka.

“Die Krankenschwestern legten jeweils die Pillen auf den Tisch. Viele Pillen, Pulver und Oralspritzen, alle beschriftet für jedes einzelne Kind. Wir nahmen die Spritzen und steckten sie in ihren Mund or in den Schlauch, wenn sie einen hatten.”

“Wir machten das nicht gerne, aber es war unser Job,” Man erzählte uns, sie würden sterben ohne die Medikamente – und da wir ja die meiste Zeit mit den Kindern verbrachten, war es an uns dies zu tun.”

“Aber mit der Zeit,” erzählte Mimi, “begannen wir uns betrogen zu fühlen.”

“Am Anfang kümmerten wir uns um kleine Crack Babys, die im Stich gelassen worden waren und niemanden hatten, aber dann änderte es sich. Mehr und mehr Kinder kamen in den Regelvollzug. Sie wollten keine Pharmaka schlucken, oder ihre Eltern wollten sie ihnen nicht verabreichen, so wurden sie ins ICC gesteckt.”

“Keine von uns warf den Kindern vor, dass sie sich dagegen wehrten. Wir alle beobachteten, wie sie sich übergaben, jedesmal präzise nach der Eingabe der Pharmaka, und dann der Durchfall, der darauf folgte.

Als die Kinder noch alle jünger waren – Säuglinge – konnten sie uns nicht erzählen, dass die Medikamente ihnen übel beisetzten. Aber als sie älter wurden, fingen sie an uns zu erzählen, ‚Ich will das nicht nehmen, weil ich dann nicht in die Schule kann, ich fühle mich schlechter, wenn ich das nehme‘.”

“Wir hatten alle Zweifel daran, was wir taten,” sagte Mimi. “Aber ehrlich, wir taten, was man uns beauftragte zu tun.”

Eines der Dinge, die Mimi und die anderen Pflegerinnen beobachteten, war die ständige Veränderung der zu verabreichenden Medikamente. “Einige der Kinder bekamen AZT, andere wiederum nicht. Dann änderte es sich wieder. Dann kam wieder ein neues Medikament, dann war es ein Pharmaka, von dem wir noch nie gehört hatten.”

“Wir reimten es uns zusammen,” sagte sie. “Das sind experimentelle Behandlungen.” Marta, eine andere Pflegerin, sprach es direkter aus, “Das ist das Meerschweinchen-Business,” sagte sie.

ICC wird verwaltet vom Columbia Presbyterian Spital und dem Katholischen Heimatamt. Es war unter dem ersten ärztlichen Direktor, Dr. Stephen Nicholas, dass das Waisenhaus Zuschüsse vom NIH National Institute of Health ( dem Nationalen Gesundheitsinstitut) erhielt um ihre Anlage für pharmazeutische klinische Versuchsreihen zu nutzen.

ICC behauptet mit den Versuchen im Jahr 2002 aufgehört zu haben, aber man findet immer noch Kinder der ICC an grossen New Yorker Spitälern, eingeschlossen das Columbia Presbyterian, welche allesamt weitermachen mit den Experimenten an HIV-positiven Kindern.

2005, nach einem Jahr Medienpräsenz mit Artikeln über ICC hielt das New York Stadtgremium in der City Hall ein Treffen ab, um zu erörtern, was sich da genau zugetragen hatte. Mimi war dabei.

“Was für ein Witz” erzählte sie. “Sie versuchten herauszufinden, ob ICC Menschenexperimente durchführte…Wir verabreichten den Kinder von Anfang experimentelle Pharmaka. Das war kein Geheimnis. Wenn du die Krankenschwestern danach fragtest, wurde dir gesagt, das wäre normal, und du solltest keine Fragen stellen. Wenn du die Ärzte fragtest, warum einige Kinder AZT verabreicht bekamen und andere nicht, erhieltst du keine Antwort.”

“Aber wir wussten, dass es Experimente mit Medikamten waren,” sagte Mimi. “Die Pflegerinnen, die Krankenschwestern, die Ärzte, die Verwaltungsleute – alle wussten es.”

Ich fragte, wie die Kinder diese komplexen Verabreichungen vertrugen.

“Die Krankenschwestern behaupteten, dass diese Kinder zu den Glücklichen gehörten, weil sie die neuen Medikamente bekämen, aber zur selben Zeit, wenn die Kinder sich übergaben, oder wenn sie Durchfall hatten, oder einen bösen Ausschlag,” sagte Mimi. “wussten wir, es kam von den Medikamenten. Sogar die Krankenschwestern sagten uns, es kommt von den Medikamenten. Man konnte es auch nicht verstecken. Es passierte zu regelmässig, es war einfach voraussagbar.

“Verabreiche die Medikamente, mach dich bereit für das Kotzen und die ‚Scheisse‘.”

“Aber wir mussten sie ihnen geben. Uns wurde immer erzählt, dass sie ohne die Medikamente sterben würden.” Sagte Mimi.

“Ist das eingetroffen?” fragte ich.

“Nein,” sagte Mimi. “Es war nicht so voraussagbar. Einige Kinder lebten und andere starben. Aber denen, welchen am meisten Medikamente verabreicht wurden, denen ging es am schlechtesten.” Und sie fügt hinzu, “Denjenigen mit den Schläuchen ging es am Schlechtesten.”

Als Mimi am ICC zu arbeiten begann, wurden die Schläuche unregelmässig eingesetzt. “Aber als die Kinder älter wurde, begannen viele von ihnen sich zu weigern, die Medikamente zu nehmen,” erinnerte sie sich.” Dann kamen sie mit den Schläuchen, mehr und immer mehr.”

Ein Magenschlauch (“g-tube”) wird verwendet, um Medikamente zu verabreichen.

“Kinder, die sich zu oft dagegen wehrten oder sich zu viel übergaben, die bekamen einen Schlauch. Zuerst ging dieser durch die Nase.”

“Aber dann war es immer mehr durch den Bauch in den Magen. Du konntest beobachten, wie sich ein Kind immer wieder wehrte, gegen die Medikamente, und eines Tages kehrten sie vom Spital aus der Chirurgie zurück und sie hatten einen Schlauch, der direkt aus ihrem Bauch rausragte.”

“Wenn du fragtest warum, sagten die Ärzte es wäre für die ‘Einhaltung der Verabreichung‘ – das Regimen. Wir müssen den Ärzteplan einhalten,” sagte Mimi. “Das waren die Regeln.”

“Wir waren nicht glücklich darüber, weil es nicht nur die Medikamente waren – es wurde alles durch diese Schläuche gepumpt. Kinder wurden die ganze Nacht hindurch mit der Milch vollgepumpt – die Pedia Sure (ein flüssiger Nahrungszusatz, der Kindern durch Schläuche über die Nase oder direkt durch die Bauchwand in den Magen gepumpt wird). Die Pumpe lief so stark, dass die Milchflüssigkeit an den Löchern herausquoll.”

“Manchmal haben wir die Pumpen abgestellt, weil sie Schmerzen in ihrem Magen hatten, aber dann kamen die Krankenschwestern und stellten sie gleich wieder an. Manche Kinder machten es auch selber, sie standen mitten in der Nacht auf und stellten die Maschine ab. Aber nach 20 Minuten begann es zu piepen und die Schwestern kamen zurück und stellten sie wieder an.”

“Die Kinder, die ständig an der Pumpe waren, hatten überhaupt keinen Appetit mehr, also assen sie auch nicht mehr. Und dann zusätzlich noch mit den Medikamenten, mit dem Durchfall, ging es ihnen nicht gut.”

“Aber das war die Regel”, sagte Mimi. “Sie bei Einhaltung der Einnahme zu halten. Befolgen der Befehle. Gib die Medikamente zur rechten Zeit, was auch immer sei,” sagte Mimi noch einmal. ” Oder du bist gefeuert.”

“An-die-Regeln-halten” war das Wort des Tages, als ich spät im Jahr 2003. Dr. Catherine Painter, aktuelle Ärztliche Direktorin des ICC, befragte, was sie zu dem erbarmungslosen Einhalten der Medikamentenpläne meinte. Painter erklärte, “Was wir von unseren Familien und Patienten verlangen, ist etwas über 100% – all ihre Medikamente zur rechten Zeit, ob sie sie zur Hand haben oder nicht, ob sie die Medikamente krank machen oder nicht, oder ob sie gleichzeitig mit einer anderen Krankheit zu kämpfen haben.”

Michelle, eine 17-jährige ehemalige Bewohnerin des ICC, war genau aus diesem Grund dort. “Ich sagte, dass ich die Medikamente nicht nehmen will, aber sie hörten mir nicht zu.”

Michelle sagt, dass die Medikamente ununterbrochen verabreicht werden, über den Tag und die Nacht verteilt.

“Ich muss bis 8:30 nicht aufstehen, aber sie wecken mich um 6 Uhr und geben mir Medikamente. Also nehme ich die Tabletten und schlafe wieder ein. Aber dann wache ich auf – ich muss mich übergeben. Weil es in meinem Brustbereich festsitzt und nicht in meinem Magen – aber auf beide Arten fühlt es sich nicht gut an.”

Ich fragte Mimi, weshalb die Kinder nachts Medikamente verabreicht kriegen.

“Die Ärzte und die Schwestern gaben uns den Zeitplan für die Medikamente, und wir mussten ihn befolgen. Neun Uhr abends, 12 Uhr mittags, 3 Uhr morgens, 5 Uhr morgens. – es spielte keine Rolle. Wir hatten Becher voller Tabletten und Pülverchen und Mundschläuche. Es lag an uns herauszufinden, wie wir das bewältigen sollten.

“Also lernten wir, dass wenn wir die Kinder nur halbwecken und ihnen die Tabletten reinsteckten oder die Flüssigkeit reinpumpten und ihnen ein Glass Wasser zum Schlucken gaben, sie dann wieder einschliefen.”

“Wie war die Reaktion der Kinder” fragte ich.

“Die Hälfte oder mehr wachten auf und erbrachen. Sie taten uns leid.” Sagte Mimi.

“Zu der Zeit dachte ich, es wäre besser ihnen die Medikamente zu geben, während sie halbschlummernd waren und sich nicht wehrten, als sie zu sehen, wie sie einen Schlauch bekommen, wenn sie sich wehren.”

“Aber wir hatten alle unsere Zweifel.” Fügte sie hinzu.

“Ein Mädchen, ein sechs Jahre altes, Shyanne – sie kam zur Behandlung. Sie war die zarteste kleine Blume – wunderschön, höflich, voller Leben. Ihre Familie gab ihr nie Medikamente. Also hat die Verwaltung der Children’s Service sie ins ICC gebracht.”

“Also kam sie und begann mit den Medikamenten. Und es war nach 2, vielleicht 3 Monaten, und sie hatte einen Schlaganfall. Sie konnte nicht mehr sehen. Sie war dieses normale Mädchen, singend, hüpfend, spielend. Dann, peng, ein Schlag und aus. Blind. Wir flippten aus. Dann, ein paar Monate später, schied sie von uns – tot.”

Michelle, die 17-jährige, kannte Shyanne. Und so auch Deanna, eine 16-jährige, welche Shyanne’s Zimmermitbewohnerin war.

“Das arme Mädchen ist traumatisiert,” sagte Mimi. “Kannst du dir vorstellen, du gehst schlafen und wachst auf und sie bringen deine Zimmermitbewohnerin weg?”

Das Medikament, an das sich Mimi erinnert, welches am meisten verabreicht wurde am ICC ist das Nukleosid Analogon AZT. Zusätzlich zu der langen Liste von schweren und lebensbedrohlichen Giften, wird AZT auch mit Lymphonen und anderen Krebsarten in Verbindung gebracht.

Andre, ein 19-jähriger, der Jahre an der ICC als Kind und Heranwachsender verbrachte, sagte mir, dass er die Medikamente nie nehmen wollte, weil er sie nicht mochte. Also hielt er sie in seinem Mund und spuckte sie später wieder aus.

“Was ist mit nachts, wenn sie kamen und die Medikamente verabreichten?” fragte ich.

“Oh ja” erzählte er, sich erinnernd – seine Augen werden etwas grösser. “Ich erinnere mich daran, ich schätze, ich schluckte sie.”

Letztes Jahr wurde Andre gegen Lymphomany behandelt. Er fragt sich, ob es mit der Verabreichung von AZT zu tun hat, die er als junger Bursche verfüttert bekam.

Mimi hat ihn dazu ermutigt, vom Staat seine kompletten medizinischen Unterlagen einzufordern, aber er hat wenig Glück durch das System zu kommen.

Andre’s Erinnerungen an ICC sind gemischt. Er erzählt mir, dass er die Kinderpflegerinnen liebte, solche wie Mimi, welche sich um ihn kümmerten. Er mochte einfach die Medikamente nicht, also nahm er sie nicht, wenn er einen Ausweg sah.

Shawn, ein 14-jähriger Junge, der immer noch unter Staatsaufsicht steht, ist praktisch im ICC aufgewachsen. Als ich ihn fragte, was er über ICC denkt, sagte er, “Ich mag ICC, weil meine Freunde dort sind.” Er schwieg um dann in leiser Stimme anzufügen, “Aber ich mag es nicht, wenn Leute vor Spritzen und Impfungen davonrennen, oder wenn sie festgehalten werden, damit sie dir eine Spritze verpassen können.”

Shawn ist auch bei ICC, weil er die Medikamente nicht nehmen will, und Mona, seine Tante und sein gesetzlicher Vormund will ihm die Medikamente auch nicht geben, weil sie ihn schwach und krank machen, sagt sie.

Shawn handelt – bei jeder Gelegenheit rennt er davon um der stetigen Überwachung der Medikamentenabgabe zu entkommen. Wenn er dann zurückgebracht wird ins ICC, so erzählt Shawn mir, so ist es “Spritzen-Zeit” – Zeit für Thorazine Spritzen, dann weg auf die örtliche Psychostation.

“Sie zerstören ihn,” erzählt mir seine Tante Mona. “Er will einfach nur nach Hause kommen, es ist so offensichtlich. Darum rennt er weg.”

“Das Regimen hat geändert,” sagte Mimi, “und so der Ort. Es sind AIDS Medikamente plus – plus Psychopharmaka, Antidepressiva. Wir kamen hierher um mit Kindern zu arbeiten, die, wie uns gesagt wurde, im Sterben sind – Crack Babys – wir wollten uns um sie kümmern. Heute ist es eine Psychologische Anstalt.”

1999 verliess Mimi ICC für beinahe zwei Jahre um ein Kind zu bekommen. Als sie zurück kam, befand sich ICC unter einem neuen Management. Die Nonnen, welche ICC verwaltet hatten, wurden ersetzt durch eine Pflegeheim-Bürokratie, an der Spitze die Executive Direktorin Carolyn Castro.

Dr. Steven Nicholas, der Arzt, der ICC gegründet hatte, zog 2001 weiter um die Führung der Kinderabteilung des Harlem Hospitals zu übernehmen. Nicholas ist auch Projektleiter und Hauptinvestor für zwei weitere fortdauernde HIV/AIDS Projekte in La Romana, in der Dominikanischen Republik.

Wie ICC, werden diese Projekte durch die Columbia Universität finanziert und beaufsichtig in Verbindung mit der örtlichen Kirche und den Staatsautoritäten.

Ein anderer wichtiger Wandel bei der ICC war, dass die Kinderpflegerinnen nun einer Gewerkschaft angehörten und sie waren nicht mehr länger dafür verantwortlich, die Medikamente zu verabreichen.

“Das war eine Erleichterung,” sagte Mimi. “Nachdem ich eine Mutter geworden war, dachte ich nicht mehr auf die selbe Art und Weise über die Dinge, über die Medikamente.”

Rhonda, eine ehemalige Krankenschwester von ICC, berichtet, wie Marylin Santiago, eine der leitenden Krankenschwestern bei ICC, sich mit einer Nadel gestochen hatte und dann begann AZT zu nehmen, gemäss den aktuellen Empfehlungen der Gesundheitsmitarbeiter.

“Ihr ging es überhaupt nicht gut,” erzählte Rhonda, “Unwohlsein, Durchfall, sie war erledigt, als ob sie sterben würde.”

Mimi fügte hinzu, “Es ging ihr schlecht. Sie bekam eine Dosis ihrer eigenen Medizin.”

Rhonda betonte, dass, als Santiago mit dem Atzt aufhörte, sich ihr Immunsystem wieder normalisierte.

AZT, das Pharmaka, welches eingesetzt wird, wenn sich jemand mit einer Nadel sticht, ist dasselbe Medikament, das weltweit an positiv getesteten schwangeren Frauen und jungen Kindern abgegeben wird. Es wurde auch in den ICC Versuchsreihen eingesetzt. AZT wird oft in der Mainstream Presse als “lebensrettendes” Medikament angepriesen, trotz der Tatsache, dass auf der Etikette Warnhinweise stehen wegen möglicher Nebenwirkungen wie Anämie oder Organversagen. Eine Studie aus dem Jahr 1999 im Journal AIDS berichtet darüber, dass Kinder, welche von Müttern geboren wurden, denen AZT verabreicht wurde, kränker sind und früher sterben als jene, deren Mütter das Medikament nicht bekamen. Es ist eine von mehreren Studien, die darüber berichten, dass AZT die Krankheitsrate ansteigen lässt, grössere Missbildungen hervorruft und Kindstod bei Kindern auslöst, deren Müttern AZT verfüttert wurde.

Mimi verliess die ICC 2004. “Ich wurde gefeuert,” sagte sie. “Ich liess es geschehen. Ich konnte es nicht mehr ertragen – Ich schaute zu, wie sie diesen kleinen Jungen zu Tode therapierten – es ist ausgeschlossen, dass es eine andere Ursache als die Medikamente gab.”

Liposdostrophy (“Büffel Höcker”) verursacht durch Protease Hemmer Therapie.

Mimi beschrieb einen Jungen namens Seon, der im Frühling 2004 verstarb.

“Er hatte alle diese weichen, fettigen Klumpen. Wir nannten ihn sogar ‚Klumpi‘,” sagte sie. “Sie schickten ihn in die Chirurgie, um die Klumpen zu entfernen, aber sie wuchsen einfach nach. Sie erzählten uns, es wäre Krebs, aber er war vollgepumpt mit diesen Medikamenten. Er hatte einen Schlauch, und sie pumpten ihn immerzu voll. Als wir seine Windeln wechselten, kam es aus ihm heraus, wie eine Mischung aus Medikamenten, rauh und sandig wie die zermalmten Pillen.”

Mimi erzählte, dass sie, nachdem er gestorben war, über dieses Phänomen ‘Büffelhöcker‘ las. Grosse, fettige Klumpen an Rücken und Nacken, welche als Nebenwirkungen der AIDS Medikamente Protease Hemmer auftreten.

Rhonda, die ehemalige ICC Krankenschwester und Mimi erinnern sich beide an einen Jungen, der Brüste entwickelte, während er unter der Medikation stand. Er hatte eine Brustamputation, und dann begann die andere Brust zu wachsen. Sie konnten es nicht verbergen, dass es von den Medikamenten kam, aber bei Seon erzählten sie uns, es wäre Krebs,” sagte Mimi.

Mimi hat ein Dokument von ICC aufbewahrt, welches von Seon’s Behandlung zeugt. “Eines Tages bekam ich ein Schreiben von den Krankenschwestern über ein Medikament, welches sie Seon verabreichen würden – es besagte, dass jede Frau, welche im gebärfähigen Alter oder schwanger sei, das Medikament nicht anfassen dürfe, nicht einmal mit Handschuhen.”

“Ich konnte den Namen nicht aussprechen, also behielt ich das Papier. Thalidomid. Das ist es, was sie ihm verabreichten.”

Thalidomid (in Contergan enthalten) wurde ursprünglich überall in Europa als ein sicheres, rezeptfreies Sedativum und Schmerzlinderndes Mittel vermarktet, dies in den 1950er und 1960er Jahren. Es verursachte eine Welle von schweren Missbildungen an Kindern von schwangeren Frauen, die es einnahmen und wurde vom Markt genommen. 1998 liess die Pharmagesellschaft Celgene Thalidomid jedoch wieder auferstehen, mit dem Einverständnis der FDA, offiziell als Lepramedikament, aber mit beabsichtigter zulassungsüberschreitender Anwendung für AIDS und Krebspatienten.

“Sie pumpten Seon voll mit dem Zeugs, sein Zustand verschlimmerte sich rapide,” erzählte Mimi. “Eines Tages kamen wir rein und er blutete aus allen Öffnungen seines Körpers, sein Rektum, seine Nase, sein Mund. Er war zerrissen vor Schmerz. Er schrie, wenn er aufs Klo musste. Sie hängten ihn an ein Beatmungsgerät. Sie leiteten ein künstliches Koma mit Medikamenten ein, damit sie ihn ans Beatmungsgerät schliessen konnten. Sie erzählten uns, dass sie das täten, damit er besser atmen könne,” sagte Mimi, während ihre Stimme etwas rauh wird. “Ich sass bei ihm; er konnte nicht sprechen, aber er weinte – herzzerreissende Tränen. Er wurde ganz trocken und schuppig; er schrumpelte zusammen wie eine Schnecke…und er starb.”

“Nachdem er gestorben war, konnte ich einfach nicht mehr. Ich wollte nicht mehr dort sein. Ich wollte nicht aufgeben, weil ich eine so enge Beziehung zu den Kindern hatte – es war verwirrend,” sagte Mimi. “Ich war da beinahe 10 Jahre lang. Aber ich ertrug es einfach nicht mehr nach all dem. Also hörte ich nicht mehr darauf, was sie mir sagten, ich wehrte mich, und gehorchte nicht mehr. Sie erzählten, ich wäre einem der Schaukelstühle für fünf Minuten eingeschlafen während einer Nachtschicht. Ich sagte, das stimmt nicht. Sie sagten, ich solle mich melden und wir würden darüber reden, aber ich sagte nur: Fuck it. Es spielte keine Rolle mehr. Also feuerten sie mich. Es war eine Erleichterung.”

Als Mimi weg war, kontaktierten sie ein halbes Dutzend ehemaliger Bewohner des ICC – Kinder, die sie geholfen hatte aufzuziehen und um die sie sich gekümmert hatte.

“Wir reden,” sagte Mimi. “Wir reden darüber, was passiert ist und wie sie ihr Leben jetzt leben können.”

Michelle, die 17-jährige, ist eines von Mimi’s Nachzüglern, welche 2004 sechs Monate im ICC verbrachte. Sie ist jetzt raus aus ICC und zurück an der High School. Michelle gibt zu, dass wenn auch immer sie kann, versucht von den Medikamenten loszukommen.

“Als ich auf Dauermedikation war, war es hart. Es gab mir kein gutes Gefühl, und ich musste damit umgehen krank zu sein und es trotzdem durch meinen 8-Stunden Tag zu schaffen.”

Was passiert, wenn du aufhörst?

“Der Zeitraum vom Entzug ist hart,” sagte sie. “Ich bin müde und will die ganze Zeit schlafen.”

Michelle ist seit ein paar Monaten von den Medikamenten weg und sagt, sie fühlt sich besser und stärker. “Es ist einfacher, ich fühle mich nicht wie früher – 12 Uhr Mittags und ich bin hungrig, aber mir wird nicht gleich schlecht, wenn ich nicht sofort etwas esse.”

Michelle ist zwar nicht mehr in der ICC Anstalt, aber sie ist nicht befreit vom New Yorker Medikamenten Einnahme Programm. Sie muss wöchentlich Arzttermine wahrhaben, wo ihr Blut genommen wird und getestet, ob die Medikamenten Niveaus stimmen.

Was passiert, wenn die Ärzte sagen, dass du die Medikamente nicht einnimmst?

“Sie stecken dich zurück ins Spital oder ins ICC – gerade so,” sagte sie, mit ihren Fingern schnalzend. “Sie sagen immer, es wäre für eine kurze Zeit, aber es sind jedesmal ein paar Monate – und das geht von meiner Schulzeit weg.”

Michelle erklärte mir, “Schule bedeutet für mich alles – Ich will das endlich aus meinem Leben haben, dass ich weiterkommen kann in meinem Leben. Ich will aufs Gymnasium – und die High School steht mir im Weg.”

“Also ist es Einwilligung contra Schule. Gehorche ich nicht, bedeutet das Fehlen in der Schule. Dann musst noch ein Extra Jahr anhängen. Also lächle, nicke und nimm die Pillen, und hör langsam auf, oder du gehst zurück auf die Anfangsposition.”

“Ich bin 17, nicht 18, und bis ich 18 bin – kann ich sagen, der Himmel ist blau – und sie sagen, nein ist er nicht – und ich sage ‚Doch ist er‘ – aber es macht keinen Unterschied. Drei weitere Monate,” sagte sie, dabei bebte ihre Stimme.

“Ich sag dir, ich kann nicht mehr warten ….ich kann nicht mehr warten.”

© 2005 by Liam Scheff

Originally published in the New York Press

Translated by Dean Braus

Liam

3 Comments

  1. tja was soll man dazu sagen, noch vor 60 jahren hat es der mann mit dem schnurbart gemacht und danach verteufelt heute machen es andere organisationen, nur solange keine hinschaut, wird es immer weitergehen, diese menschen haben keine stimme in dieser welt

  2. “Wie ICC, werden diese Projekte durch die Columbia Universität finanziert und beaufsichtigt in Verbindung mit der örtlichen Kirche und den Staatsautoritäten.”…
    zitiert aus dem Text.
    Ein Verbrechen, an dem die am meisten verdienen, die sich in der Gesellschaft für ihre Ausübung von Werten feiern lassen: Wissenschaft, Kirche, Staat, ein menschenverachtendes Konglomerat von Verbrechern, die ihren Arbeitsplatz, ihre Studien, ihre Aktien dem Mord an hilflosen Menschen verdanken. Und die Bevölkerung schaut weg und schweigt. Wer nicht schweigt wird verfolgt. Und wo ist die Justiz?
    Noch weiter unten als die bereits Erwähnten.Schmutziger geht es kaum noch!
    Aber wir haben auch gar nichts aus den Gräueltaten der Vergangenheit gelernt! Wir verdecken und verdrängen sie nur intelligenter!

    • Hi, danke schoen Christl, and for your work, as well.

      I’ll paste a translation of your comment here for others to read:

      “ICC’s projects are funded by the Columbia University and supervised in conjunction with the local church and the state authorities.” …
      quotes from the text.

      A crime which gains/earns the most is celebrated in the society for their exercise of values??: Science, Church, State, inhuman conglomerate of criminals who owe their jobs, their studies, their shares to the murder of helpless people. And the population looks away and says nothing. Who does not keep silence followed. And where is the justice? It couldn’t be more disgusting. But we have learned nothing from the atrocities of the past! We hide and repress them better (more cleverly)!”

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